Hallo,
am Fri, 14 Oct 2005 11:33:52 +0200 schrieb Ulrich Fuchs:
Siehe diverse Posts auf dieser Liste (u.a. Deines, Eikes, Jakobs, Gerhards...)
- es geht um eine erkennbare Grundeinstellung, einen Tenor, die Art, wie ein
Diskurs geführt wird, nicht um einzelne Zitate.
Oh, Ausgangspunkt war schon das einzelne Zitat bzw. die Art, wie eine Falschinformation ihren Weg in eine Enzyklopädie finden kann. Bohr als Nationalspieler kam immerhin aus dem Brockhaus.
Und der Tenor, den ich erkenne ist: Man muss als Wikipedia nicht das wiedergeben, was man weiß, sondern das, was man aus unterschiedlichsten Quellen gehört/gelesen hat,
Wie würdest Du Wissen sonst definieren? Von persönlichen Erfahrungen abgesehen besteht Wissen zum allergrößten Teil aus dem, was man aus unterschiedlichen Quellen gehört und gelesen hat. Und das persönliche Leben gibt bei den meisten Menschen wenig enzyklopädisches her (wofür ich in meinem Falle dankbar bin).
wohlgemerkt: Ohne es verstanden und geprüft haben zu müssen, ohne sich wirklich sicher zu sein,
Nein, das ist nur Deine Fehlinterpretation. Es wurde mehrfach betont, dass man Quellen nach ihrer Vertrauenswürdigkeit auswählen sollte und Informationen nicht verwendet, wenn man nur eine Quelle hat, die wenig zuverlässig ist. Eine Fernesehsendung, deren Informationen von Millionen Menschen überprüft werden, halte ich für eine relativ sichere Quelle. Jede Autobiografie enthält mehr Fehler (vor allem absichtliche), trotz Informationen aus erster Hand.
Es ist ein Unterschied in der Einstellung:
Ich kann viele Quellen (Primär- und Sekundärquellen) lesen, lernen, und nach langer Zeit des Lesens und Lernens und zu-Verstehen-Versuchens in Form eines Enzyklopädieartikels das referieren und zusammenfassen, was ich glaube, vom Thema und dem Diskurs um ein Thema verstanden zu haben.
Das ist eine wunderschöne Haltung für den Grundartikel zu einem wissenschaftlichen Thema. Aufhänger dieser Diskussion war aber eine eher anekdotische Information über das Privatleben eines Physikers, die in den Artikel eingefügt wurde, der vorher schon existierte.
Dann kann ich mich selbstverständlich immer noch irren, ich kann noch immer falschen Quellen aufgesessen sein, aber die Gefahr dafür ist relativ klein.
Auch nicht kleiner.
Oder ich kann mich nach zwei Minuten google-Recherche oder dem Kucken einer Quizshow in der Lage sehen, einen Enzyklopädieartikel zu erstellen oder zu ändern. Die Gefahr, dass ich dann einer falschen oder einseitigen Quelle aufsitze, ist sehr viel größer.
Kommt auf die Art der Information und der Quizshow an. Bei manchen Themen verlasse ich mich auch eher auf Google als dass ich nach einem Buch suche, von dem ich ohnehin weiß, dass es wahrscheinlich nicht existiert.
Verlasse ich mich sogar ausschließlich auf Film, Funk und Fernsehen oder populärwissenschaftliche Bücher und Webseiten, ist aufgrund der dort notwendigen Vereinfachung die Wahrscheinlichkeit, dass ich viel zu wenig weiß, um einen Enzyklopädieartikel auch nur ansatzweise bearbeiten zu dürfen (weil ich mehr kaputt als richtig machen kann), gleich Eins.
Das ist Unsinn. Wenn es um einen wissenschaftlichen Artikel ginge, ja. Aber das war nicht das Thema dieser Diskussion.
Die Masse der Wikipedia-Autoren/innen hat leider letztgenannte Einstellung, und das Ergebnis dieser Einstellung ist überdeutlich sichtbar.
Auch das ist so nicht richtig. Ganz davon abgesehen, seit ich Wikipedia kenne, stelle ich eine Zunahme an Qualität fest - leider sehr langsam, und große Lücken und vieles Falsche gibt es immer noch, aber es wird besser.
Wenn Du sagen würdest, dass es für die Qualität der Wikipedia Grenzen gibt, stimme ich Dir sogar zu. Aber diese sind meines Erachtens weder erreicht noch so niedrig anzusetzen, wie Du das tust. Wikipedia kann einmal besser (und viel ausführlicher) sein als ein gutes Konversationslexikon. Da sie als solches verwendet wird, wäre das auch ein gutes Ziel. Das, was Du unter Enzyklopädie verstehst, wird sie vermutlich nicht erreichen. Das muss sie aber auch nicht, dafür gibt es ja dann Wikiweise. Meiner Meinung nach eine sehr gute Ergänzung.
Gruß, Gerhard