[Wikide-l] Bucherscheinung "Wikipedia inside"

Günter Schuler guenterschuler at t-online.de
Mi Sep 12 10:45:09 UTC 2007


Liebe Abonnent(inn)en der Mailingliste,


Als Autor informiere ich euch hiermit über das Erscheinen meines  
Buchtitels Wikipedia inside (Unrast Verlag). Eine Kurzvorstellung  
findet sch auf der Webseite des Verlags. Eine Leseprobe im PDF-Format  
sowie eine aus dem Buch entnommene Linkliste mit wikipedia-internen  
sowie externen Seiten findet sich dort ebenfalls.

Über Inhalt und Ausrichtung des Buches informiert die unten  
dokumentierte Presseerklärung des Verlags detaillierter.


Grüsse aus Frankfurt/Main


Günter Schuler
(Autor und Fachjournalist)


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PRESSEERKLÄRUNG "WIKIPEDIA INSIDE" (11.9.2007)
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Günter Schuler
Wikipedia inside
Die Online-Enzyklopädie und ihre Community

Die Online-Enzyklopädie Wikipedia zählt bereits seit Jahren zu den  
populärsten Seiten im Internet. Mit derzeit weit über 600.000  
Begriffserklärungen ist der deutschsprachige Ableger nach dem  
angelsächsischen die zweitgrößte Wikipedia-Ausgabe der Welt. Furore  
gemacht hat das frei zugängliche Internet-Lexikon in vielfacher  
Hinsicht: als nach Google mittlerweile wichtigstes Begriffs- 
Nachschlagewerk, als Aushängeschild des neuen, interaktiven Web 2.0  
und schließlich als basisdemokratisches Medium, bei dem jeder  
willkommen ist und jeder mitmachen kann.

Der modisch-zeitgeistige Web 2.0-Diskurs wird dem Phänomen Wikipedia  
allerdings nur zum kleinen Teil gerecht. Aufgrund grober Pannen und  
Fehlinformationen geriet das Medium in den letzten beiden Jahren  
immer stärker in die Kritik. Schütten die Kritiker das Kind mit dem  
Bade aus? Kann eine gemeinschaftlich produzierte Internet- 
Enzyklopädie grundsätzlich nicht funktionieren, oder sind die Fehler  
lediglich Einzelfälle, die in jedem System vorkommen? Der  
Praxisbeweis für beide Aussagen steht noch aus: Dies befindet  
jedenfalls Günter Schuler, Autor des vorliegenden Titels. Als  
Artikelschreiber und Projekt-Freiwilliger machte er sich auf, die  
Welt von Wikipedia aus eigener Anschauung zu ergründen. Eigene  
Erfahrungen, ergänzt durch fundierte Recherchen sowie persönliche  
Gespräche mit zahlreichen Mitgliedern der deutschsprachigen Wikipedia- 
Community, haben ihn indes zu einer eher kritischen Bestandsaufnahme  
geführt: Einerseits – so der Befund von "Wikipedia inside" – ist die  
freie Online-Enzyklopädie schon heute weitaus vielfältiger,  
detailreicher und informationshaltiger, als ihre Kritiker zugeben  
möchten. Andererseits stößt das System immer ersichtlicher an seine  
Grenzen. Untransparent-bürokratische Strukturen, beinharte  
Machtcliquen, ein patziger Maßregel-Ton, der längst fester  
Bestandteil des Umgangs-Alltags geworden ist, Zensur und  
Demokratiedefizite, Enzyklopädieautoren, die in der Praxis eher unter  
"ferner liefen" rangieren und schließlich eine konzeptionelle  
Dogmatik, die eine offene Flanke bietet für Stammtisch-Erkenntnisse  
und rechtes Gedankengut, gehören längst ebenso zur Realität des  
freien Nachschlagewerks wie seine nicht bestreitbare Themenvielfalt.

Vielfältig-interessantes Nachschlagewerk oder Internet-Gerüchtebörse  
frei nach Volkes Mund? In welche Richtung sich Wikipedia entwickeln  
wird, ist gegenwärtig noch offen. Eines erscheint jedoch heute schon  
klar. Der sich am Motto "Enzyklopädie ist machbar, Herr Nachbar"  
orientierende Zweckoptimismus der Wikipedia-Gründer ist, sechs Jahre  
nach der Gründung des Portals, eindeutig an seine Grenzen gestoßen.  
Wie weiter? Das aus der Position des engagierten Insiders  
geschriebene Buch liefert nicht nur eine Menge an Fakten und  
Beobachtungen zum aktuellen Zustand der deutschsprachigen Wikipedia- 
Ausgabe sowie des Projekts insgesamt. Die im Stil eines engagierten  
Reports dargebotene Zustandsbeschreibung liefert eine packende,  
prägnante Darstellung des Lebensgefühls der Wikipedia-Macher sowie  
der Abläufe, Themen und Diskussionen, die Wikipedia für viele  
interessant machen. Anders als der wikipediagläubige Teil der Medien  
schildert "Wikipedia inside" auch die weniger schönen Seiten der  
freien Enzyklopädie: eine Männer-dominierte Community,  
Unterwanderungsversuche von Rechten, endlose Artikelversions- 
Streitereien, ödende Diskussionen und den täglichen Community- 
Kleinkrieg. Mehr Rechte für die Autoren, Bürokratieabbau,  
Professionalisierung, mehr Transparenz, institutionell abgesicherte  
Regularien, eine eindeutige Bezugnahme auf demokratische Essentials  
und Menschenrechte, Anti-Diskriminierungs- und Antifaschismus- 
Etikette sowie ein Anpassen der bislang als unhinterfragbare  
Heiligtümer behandelten Wikipedia-Dogmen an die Realität wären seiner  
Meinung nach der Weg, auf dem es mit einer interessanten,  
vielfältigen und emanzipatorischen Werten verpflichteten Online- 
Enzyklopädie doch noch klappen könnte.


Günter Schuler: Wikipedia inside. Die Online-Enzyklopädie und ihre  
Community
Unrast Verlag
Münster, Juli 2007
280 Seiten, 18 Euro
ISBN-13: 978-3-89771-463-2